Sie haben eine fast 400-jährige Tradition und locken eine halbe Million Besucher aus der ganzen Welt an: die legendären Oberammergauer Passionsspiele. Jetzt darf ein Dokumentarfilm zum ersten Mal hinter die Kulissen des Spektakels blicken.
Unaufdringlich begleitet Regisseur Jörg Adolph die Passionsspiele von den Vorbereitungen 2008 bis zur letzten Aufführung im Herbst 2010. Zentrale Figur ist dabei Spielleiter Christian Stückl. Der Zuschauer wird Zeuge des ersten Herantastens an Dialoge und Musik, der Auswahl der Darsteller und des Entstehens des Bühnenbildes. Er reist mit den Hauptdarstellern zur Spurensuche nach Israel, ist mit dabei, wenn in Indien Stoffe eingekauft werden und stattet dem Papst in Rom einen Besuch ab. Er erlebt das anfängliche Durcheinander bei der Probe der Massenszenen und den Moment der Vollendung bei der Premiere vor 5.000 Zuschauern.
Ein Dorf im Spannungsfeld
Der Film verzichtet dabei völlig auf Kommentare und Interviews und wirkt ungekünstelt und authentisch. Dennoch bekommt man einen guten Eindruck von dem Umfang und der Komplexität der Inszenierung (obschon man sich als Norddeutscher manchmal Untertitel wünscht).
Deutlich wird das Spannungsfeld zwischen Kommerz und Kunst, Provinz und großer Welt, Gott und Menschen, Vision und Realität. Nichts ist dabei wirklich schlicht und einfach. Da stoßen Interessen der Lokalpolitik, Finanzprobleme, künstlerische Ansprüche, persönliche Animositäten, interreligiöse Befindlichkeiten, das Ringen um das richtige Verständnis von Jesus, Marketing und Frömmigkeit aufeinander. Nicht weiter verwunderlich, wenn sich ein ganzes Dorf mit "der größten Geschichte aller Zeiten" auseinandersetzt.
Mehr Fragen als Antworten
Neben dem gewaltigen Unterfangen, ein sechsstündiges Stück mit über 2.000 Darstellern und einem Gesamt-Budget von 32 Millionen auf die Bühne zu bringen, kommen aber auch die kleinen Momente nicht zu kurz, was den Charme des Films ausmacht.
In den gut zwei Stunden werden mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Aber gerade das ist eine Einladung an die Zuschauer, sich selbst mit der Person und der Geschichte Jesu Christi auseinanderzusetzen.
Die große Passion. Ein Dokumentarfilm von Jörg Adolph. Deutschland 2011, 144 Minuten
Kinostart: 17.11.2011
Weitere Infos unter: www.passion-derfilm.de




