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Mit letzter Tinte

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21.06.2012 | Von: Johannes Gerloff

Umstrittener Nobelpreisträger: Günter Grass (Bild: Florian K. / Wikipedia)

Nachgedanken zur Grass-Debatte und der realen Bedrohung Israels

Eigentlich gebührt Günter Grass Dank dafür, dass er medienwirksam auf den Punkt gebracht hat, was Europa denkt: Israel ist die größte Gefahr für den Weltfrieden! Bereits im Oktober 2003 ergab eine Umfrage der Europäischen Kommission, dass 59 Prozent der Europäer dieser Ansicht sind, wobei interessanterweise gebildete Zeitgenossen dem jüdischen Staat Schlimmeres zutrauen, als solche, die weniger lang die Schulbank gedrückt haben. Damit rangiert Israel noch vor Nordkorea, dem Iran oder Afghanistan.

Das "Alleswisser-Großmaul"

Zum Glück scheint dieses Mal nur halbwegs gelungen zu sein, was Spiegel-Gründer Rudolf Augstein beobachtet hat: "Grass versteht es, jeden Mist so vorzutragen, dass er aller Zuhörer Ohren in seinen Bann schlägt." Es gab eine öffentliche Diskussion, und das obwohl der Literat brav die Lieblingsformel aller modernen Judenkritiker bemüht hat, nämlich, dass er dem Land Israel, verbunden sei und auch bleiben wolle. Die öffentliche Diskussion ist sein Verdienst.

Selbst Europäer mit Schulbildung spüren, dass das "Alleswisser-Großmaul samt zugehörigem Wichtigkeitsorden" (so noch einmal Augstein) Ursache und Wirkung verkehrt, wenn es Israel als "Verursacher der erkennbaren Gefahr" identifiziert, "dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist".

Falsches Visum?

Selbstverständlich reagieren Israelis empfindlich, wenn ihnen Kriegstreiberei unterstellt wird. Premierminister Netanjahu bescheinigte dem selbsternannten Gewissen Nachkriegsdeutschlands einen "Zusammenbruch des moralischen Urteilsvermögens". Innenminister Eli Jischai erklärte G.G. per Hüftschuss zur persona non grata. Vermutlich hätte die Welt (einschließlich der israelischen Gesellschaft!) ähnlich reagiert, hätte der ultraorthodoxe Politiker dem schnauzbärtigen Pfeifenraucher den Zutritt zum Mond verboten. Jedenfalls hätte das israelische Einreiseverbot ernsthafter ausgesehen, hätte Jischai das Original eines Visumsantrags (wie ihn jeder Deutsche, der vor dem 01.01.1928 geboren wurde, stellen muss) produziert, das im Internet herumgereicht wurde und in israelischen Archiven bestimmt zu finden sein müsste. Per handschriftlichem Namenszug und Unterschrift von G.G. wird dort bestätigt, "dass ich weder der NSDAP noch einer ihrer Formationen angehört habe". Sollte das Dokument echt sein, hätte Grass in den 1970er Jahren mit falschen Angaben ein israelisches Visum erschlichen.

Der Nerv des Volkes

Wichtig und deshalb dankenswert aber bleibt, dass die Affäre Grass gezeigt hat, wie heute in der deutschen Öffentlichkeit die Israelfrage nicht auf der Grundlage von Fakten diskutiert wird, sondern aufgrund von emotional geladenen Klischees. Öffentlichkeitswirksam sind nicht nüchterne Analysen oder rational nachvollziehbare Argumente, sondern was den Nerv des Volkes rührt. So unterstellt Grass beispielsweise "das behauptete Recht auf den Erstschlag", wobei offizielle und in politischen Kreisen unwidersprochene Linie des Staates Israel ist, man werde nicht als erster Atomwaffen in die Region einführen. Expressis verbis bedroht nicht Israel den Iran, sondern umgekehrt der Iran Israel. So erklärte just Mitte Mai - als die Welt sich neu um einen Kompromiss in der Iranfrage mühte und die "zynische" Zurückhaltung Israels verurteilte - der Chef der iranischen Armee, Generalmajor Hassan Firusabadi, sein Land bleibe "seiner Sache treu, nämlich der völligen Zerstörung Israels."

Die reale Bedrohung

Es stimmt einfach nicht, dass sich die Israelis bedroht fühlen. Israel ist tatsächlich bedroht - und es wäre Aufgabe der Führung in Teheran, das Gegenteil zu beweisen. Im Falle Grass bleibt festzuhalten, dass man mit 85 ein Recht auf Senilität hat. Deshalb hat der gealterte Literaturnobelpreisträger hoffentlich an einem Punkt in seinem Gedicht die Wahrheit getroffen, nämlich, dass er "mit letzter Tinte" geschrieben hat. Katastrophal wäre, wenn Günter Grass entdeckte, dass man heutzutage mit dem Computer schreibt und seine Gedanken per E-Mail, Blog, Facebook oder Twitter verbreitet.

 

Der Text ist erschienen als Kommentar im Israelreport 3/2012

© Johannes Gerloff, Christlicher Medienverbund KEP

www.israelnetz.com


Vorhandene Kommentare

Konrad Bollmann schrieb am 01.07.2012 20:08

Israel ist auch heute "GOTT-es auserwählte Volk!"

GOTT sagte zu d. Stammvater
Abraham:

"ICH will segnen, die Dich segnen u. verfluchen, die Dich verfluchen!"

Die Heiden sind wie wilde Reben in d. Weinstock eingepfropft.

Darum überhebe dich nicht über dieses Volk, die echten Reben!

Wenn Du, als Heide, nicht im
Glauben bleibst, kann Dich GOTT wohl auch wieder entfernen!

Aus "Abrahams Samen" stammte auch JESUS! ER war zunächst nur zum Volk Israel als Retter gesandt.

Weil dieses Volk IHN aber ablehnte u. tötete, galt ab nun die "Frohe Botschaft" auch der Erretung a l l e r
Nationen.

Dazu hatte SICH JESUS Saulus, der zum "Paulus" wurde, auserwählt.

Wir haben also keinen Vorrang vor dem "Volk GOTT-es"!

Darum fürchte GOTT, DER ein "eifersüchtiger GOTT" ist.


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