

"Hast du etwas Zeit für mich?", fragt Nena in ihrem berühmten Lied 99 Luftballons. "Haben Sie etwas Zeit für mich?", frage ich Sie jetzt. Warum ich Ihre Zeit möchte? Weil die Zeit reif ist für eine zeitgemäße Betrachtung der Zeit. Aktuell müssen die Gedanken sein, und trotzdem zeitlos. Denn: Obwohl die Zeit nicht stehenbleibt und die Zeiten sich ändern, dreht sich eigentlich alles um die Zeit. Warum noch warten? So langsam läuft selbst mir die Zeit davon …
Und damit sind wir direkt beim Thema: Zeit ist ja nicht unbegrenzt, nicht endlos frei verfügbar. Die Zeit ist knapp und wird mit jedem Tag knapper. Wir wissen nur zu gut: Mangel hat seinen Preis. Je knapper, desto teurer und umso kostbarer. Zeit ist kostbar! Meine Zeit ist kostbar – und Ihre auch!
Wäre es nicht an der Zeit zu fragen, wo ich Zeit sparen kann? Nur: Wohin mit der gesparten Zeit? Selbst wenn ich Zeit gewinnbringend anlegen könnte – würde ich damit wirklich mehr Zeit gewinnen? Steht sie mir dann bei Bedarf auf Abruf wieder zur Verfügung? Vielleicht sogar mit Zeit-Zinsen? In seinem Roman "Momo" beschreibt Michael Ende dieses Szenario. Graue Herren überzeugen die Erwachsenen, ihre überschüssige Zeit auf ein Zeitkonto anzulegen. Diese Zigarre rauchenden Bösewichte ernähren sich von der toten Zeit, die sie den Menschen abpressen. Unnötig zu sagen, dass die Erwachsenen ihre eingesparte Zeit niemals wiedersehen …
Aber vielleicht kann ich ja irgendwo Zeit gewinnen. Wie hoch mag der Einsatz sein? Woher nehmen, wenn nicht stehlen, denkt sich mancher und hat gar wenig Skrupel, dem Zeitgenossen Zeit zu stehlen. Doch diese Zeit wird nicht dem eigenen Zeitkonto gutgeschrieben; oft erst zur Unzeit merken wir, dass wir nicht Zeit gewonnen, sondern eigene Zeit vergeudet haben. Da rächt sich unser laxer Umgang mit der Zeit. So sorglos gingen wir mit ihr um, dass wir sie totgeschlagen haben, die Zeit. "Als ob man die Zeit totschlagen könnte, ohne die Ewigkeit zu verletzen" (Henry David Thoreau).
Und nun ist die Zeit vergangen. Vergangene Zeit ist Vergangenheit. Manchmal wussten wir nicht, wohin mit all der Zeit, und jetzt wissen wir nicht, woher die Zeit nehmen. Für die Zukunft. Wo ist sie nur geblieben die Zeit? Sie ist uns einfach zwischen den Fingern zerronnen – verlorene Zeit.
Und dann setzt Panik ein: Wir beginnen, die Zeit auszukosten, sie zu füllen, bis keine Zeit mehr bleibt. Beziehungen und die wichtigen Dinge des Lebens bleiben auf der Strecke. Nun wäre ein guter, wenn auch später, Zeitpunkt gekommen, die noch zur Verfügung stehende Zeit überlegt einzuteilen. Wäre es nicht sinnvoll, die Zuteilung der Zeit zu planen, damit wir am Ende nicht mit leeren Händen dastehen und es bereuen, keine Zeit gehabt zu haben für das, was wirklich zählt?
Wie wäre es, den wichtigen, wertbeständigen Dingen im Leben mal wieder Zeit zu gönnen? Zeit ist ja ein Geschenk – die ganze Lebenszeit ist ein Geschenk! Zeit schenken, vielleicht sogar Zeit opfern?
Wertbeständig sind etwa gute Beziehungen. Es lohnt sich, regelmäßig Zeit in Menschen zu investieren, die uns nahe stehen. Dauerhaft und krisenbeständig ist vor allem eine intakte Gottesbeziehung – sie reicht über unsere Erden-Zeit hinaus. Gott liegt an der Beziehung zu mir. Und deshalb investiert er seine Zeit, mehr noch, die ganze Ewigkeit in uns – in Jesus Christus!
Die Frage, die es zu beantworten gilt, ist Gottes Frage: Hast du etwas Zeit für mich?
Die Entscheidenden Anstöße von Bernd Gülker, Geschäftsführer des christlichen Hilfswerkes Geschenke der Hoffnung e.V., sind der aktuellen Ausgabe der "Entscheidung" entnommen.
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Herr, lass mich ein offenes Ohr bei dir finden, höre doch, wie ich seufze! Meine Hilfeschreie sollen zu dir durchdringen, mein König und mein Gott, denn allein zu dir bete ich! Psalm 5, 2-3
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht abgewiesen und mir seine Gnade nicht entzogen hat! Psalm 66, 20